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Adventsaktion der Allianz für den freien Sonntag im Saarland 2013

Advent ist eine Zeit der Besinnung, des Innehaltens und der Umkehr – ursprünglich zumindest. Innerhalb der kirchlichen Tradition als Bußzeit entstanden, werden die Wochen vor Weihnachten mittlerweile aber oft als besonders stressig erlebt: Einkäufe sind zu erledigen, Weihnachtsplanungen voranzutreiben und zum Abschluss zu bringen – und das häufig zusätzlich zum sowieso schon fordernden Alltag. Besonders betroffen davon sind Menschen, die „berufsmäßig“ mit Advent und Weihnachten befasst sind. In ihrer diesjährigen Adventsaktion will die Allianz für den freien Sonntag im Saarland zwei davon zu Wort kommen lassen: Klaus Kühnhaupt ist evangelischer Pfarrer in Merzig und schildert, wie er eine der Hauptarbeitszeiten des Jahres für einen Pfarrer erlebt. Stefanie Recknagel, Landesbereichsleiterin Handel bei der Gewerkschaft verdi, betrachtet die Situation der Beschäftigten im Einzelhandel, die ebenfalls unter besonderem Arbeitsdruck stehen.Mit beiden Texten möchte die Allianz dazu einladen, das eigene Verhalten in der Adventszeit und insbesondere an den vier Adventssonntagen zu überdenken.

Steffi
Klaus

Steffi Recknagel
ver.di Landesbezirksfachbereichsleiterin Handel

Klaus Kühnhaupt, evangelischer Pfarrer in Merzig


Weihnachten ein Fest der Familie aber nicht für die Beschäftigten im Handel
Natürlich ist mir bewusst, dass der Advent auch für den Einzelhandel eine besondere Zeit ist, und es liegt mir fern, das Weihnachtsgeschäft pauschal zu verurteilen. Auch für mich gehören Geschenke für Freunde und Verwandte zum Weihnachtsfest dazu. Und sich Gedanken zu machen, womit man jemand, der einem nahesteht, eine Freude machen kann, ist gewiss nicht falsch.
Aber ich werde mich nicht daran gewöhnen und will es auch nicht, dass die Adventszeit eine enorme stressbeladene und kräfteraubende Zeit für die Beschäftigten im Einzelhandel ist. Sie können diese nicht feiern, wie es laut unserer Traditionen üblich ist. Zur Besinnung jedenfalls kommen die Beschäftigten im Handel nicht, auch wenn die Weihnachtslieder noch so schön erklingen.
Weihnachten ist heute bestimmt durch den Zwang materieller Bedingungen. Weihnachten sollte doch eigentlich ein Fest der Freude und Liebe sein. Nicht eines des Konsums und des Stresses.
Die kleinen Dinge machen das Leben doch lebenswert. Die Geschenke sollten im Rahmen bleiben und Überflüssiges sollte unter den Bäumen verschwinden. Wichtig sind die Familie, der Glaube und die Heiterkeit, mit der man diese Zeit begeht.
 


Advent: jedes Jahr gleich und doch immer wieder neu
Seit 2000 bin ich jetzt im Dienst der evangelischen Kirche, und in den ersten Jahren war die Adventszeit ziemlich grausam .Als Vikar, also quasi Pfarrer-Azubi, habe ich mal mit 15 Pfadfindern ein Weihnachtsspiel einüben wollen. Dass ich Azubi war, haben die genau gespürt und mir bei jeder Probe auf der Nase rumgetanzt.
Und dann jenes Jahr, als meine Ausbilderin ein besinnliches Wochenende für Familien ganz bewusst in der Adventszeit angesetzt hatte, im letzten Moment ihre Teilnahme wegen Überarbeitung absagte und ich allein mit den Familien fuhr. Oder man denke nur an das erste Jahr hier in Merzig. Unsere Kirche ist sehr klein: Nur 100 Plätze. Der Gottesdienst ist um 17 Uhr, und schon um 16:30 Uhr ist die Kirche überfüllt. „Das kann doch nicht sein, da arbeitet man, damit die Leute in die Kirche kommen und wenn sie dann kommen, müssen sie wieder gehen!“ Nachts habe ich nachgedacht, was man machen kann. Schließlich bauten wir ein Bierzelt vor der Kirche auf,
stellten Bänke hinein , Übertrugen ein Videobild aus der Kirche und heizten mit Gasöfchen. Was für ein Aufwand, und das an Heilig Abend! Mittlerweile ist das aber alles eingespielt . Und Pfadfinder tanzen mir schon länger nicht mehr auf der Nase rum.
Darum darf ich sagen, dass mir die Advents- und Weihnachtszeit wieder viel Spaß macht. Ich freue mich, wenn am Vortag des 1. Advent die Häuser geschmückt werden. Und diese Grenze zwischen der Zeit um Totensonntag und der Adventszeit wird bei uns hier in Merzig noch immer ziemlich genau eingehalten, jedenfalls von den Privatleuten. Beim Einzelhandel…ach, ich fange mit dieser Litanei jetzt nicht wieder an.
Eins aber ist in den letzten Jahren immer schwieriger geworden: Man will ja auch nicht immer das gleiche sagen in den Andachten und Predigten im Altenheim, im Mehrgenerationenhaus, bei der Seniorenadventsfeier im Gemeindehaus… Aber finde mal was, was du noch nicht gesagt hast in all den Jahren! Und da will ich auch nicht abstumpfen. Leute, die immer das gleiche sagen, haben wir jawohl genug.